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Zuhörer zutiefst ergriffen

Cantabile Regensburg begeisterte in der Stadtpfarrkirche

(Abschrift aus dem Haßfurther Tagblatt, siehe Zitat unten)

Mit einem äußerst anspruchsvollen Programm und selten aufgeführten Kompositionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu dem Thema "Friede auf Erden" gastierte das Vokalensemble Cantabile Regensburg wieder einmal in der Haßfurter Stadtpfarrkirche. Gemeinsam mit seinem Dirigenten Matthias Beckert bescherte es dem Publikum ein berückendes Erlebnis.

Die ausgewählten Kompositionen von Arnold Schönberg, Heinz Werner Zimmermann, Peter Cornelius und Hugo Wolf sind durch Dissonanzen, Einflüsse des nordamerikanischen Jazz, ungewöhnliche, teils chromatische Stimmführungen, viele Tonartwechsel und alternierende Klänge gekennzeichnet und stellen sehr hohe Anforderungen an die Sängerinnen und Sänger. Vor allem in der Intonation und im Ausdruck. Aber auch der Zuhörer muss sich auf die Reise durch die ungewohnten Klangvariationen einlassen können. Dank dem Ensemble Cantabile Regensburg, das seit Jahren zu den Besten der deutschen Chorszene zählt, und seinem Dirigenten ist dies in Haßfurt hervorragend gelungen. Die intensiven und packenden Interpretationen der Sängerinnen und Sänger und ihr dynamisch differenzierter Ausdruck ergriffen die Zuhörer zutiefst.

Im Mittelpunkt stand der achtstimmige Chor "Friede auf Erden" von Arnold Schönberg (1874-1951), das lange als unaufführbar galt. Dieses Werk stellt für Schönbergs Kompositionstätigkeit eine entscheidende Wende von der tonalen zur atonalen Musik dar. Seine Vorstellung von einer reinen Harmonie unter Menschen führt er in dem Werk nach groß angelegten Dissonanzen zu einer Auflösung in ein strahlendes D-Dur. Dieses sehr selten aufgeführte Werk führte der Chor in einer beeindruckender Weise auf. Harmonische Perfektion, Klangschönheit, sichere Intonation und transparente Gestaltung waren nicht nur das Verdienst der 32 Sängerinnen und Sänger, sondern auch das Ergebnis der sorgfältigen Einstudierung durch Matthias Beckert. Weiterhin waren Werke des 1930 geborenen Komponisten Heinz Werner Zimmermann zu hören, die von der traditionellen evangelischen Kirchenmusik und dem nordamerikanischen Jazz geprägt sind: die achtstimmige Motette "Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens" und die vier Motetten "Weihnacht", jeweils mit Kontrabass-Begleitung (Florian Karl), die zwölfstimmige Choralfantasie "Wachet auf, ruft uns die Stimme" sowie drei achtstimmige Spirituals, die der Komponist dem Ensemble Cantabile Regensburg zum 15-jährigen Bestehen gewidmet hat. Auch hier zeigte der Chor, der voller Freude und mit Leichtigkeit sang, die Bandbreite seiner Möglichkeiten. Feinstes Piano entwickelte sich dynamisch zu kräftigem Forte. Scheinbar mühelos und rein erklomm der Sopran die hohen Töne, formierten sich die klaren Altstimmen mit den samtenen, tragenden Männerstimmen voller Kraft und Volumen und meisterten den Balanceakt zwischen Virtuosität und Emotionalität. Auch bei Hugo Wolfs "Sechs geistlichen Liedern" nach Eichendorff-Gedichten, vermittelte der Chor diese spätromantische, textbezogene Vertonung voll alternierender Klänge und reicher, chromatischer Stimmführung souverän. Unvergleichlich schön interpretierte er wiederum die sechsstimmige Mottete "Seele, vergiß sie nicht" von Peter Cornelius (1824-1874), deren harmonisches Gefüge der Komponist durch scharfe Dissonanzbildung fast zum Zerreißen spannt. Mit dem von Matthias Beckert für achtstimmigen Chor arrangierten Lied "Drei Könige" von Peter Cornelius, bei dem der Bariton Christof Hohnen als Solist die Zuhörer für sich einnahm, und dem achtstimmigen "Denn Er hat seinen Engeln befohlen" von Felix Mendelssohn-Bartholdy als Zugaben endete ein faszinierendes Konzert.

[ Ulrike Langer ,Haßfurter Tagblatt, 15.01.2008]

 

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